Suter oder das Chamäleon-Prinzip - Rezension

Suter oder das Chamäleon-Prinzip von Jürgen Hargens, Roman
Trafo Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86465-033-8, € 15,80

Was tut eigentlich ein Psychotherapeut, der in den Ruhestand gegangen ist? Jürgen Hargens, Psychotherapeut und Autor zahlreicher psychologischer Fachbücher, Erzählungen und Romane, erzählt die Geschichte von Bernfried Suter, Psychotherapeut in Rente, der sich einen ausgefallenen Wunsch erfüllen möchte: Er will sich als Ermittler versuchen, heldenhaft und unauffällig. Dabei hofft er, von seinen Erfahrungen und Kenntnissen als Psychotherapeut zu profitieren.

Kurze Zusammenfassung

Die Geschichte spielt im äußersten Norden Deutschlands, in einer Stadt an der Ostsee. Suter, der Psycho in Rente ,  lebt allein. Seine Frau ist schon vor Jahren verstorben, und seine Kinder führen inzwischen weit entfernt ihr eigenes Leben.

 Als Suter in eine Menschenmenge gerät, die sich um einen Unfall gebildet hat, beginnt die Geschichte des ersten Falles des selbsternannten Ermittlers. Zwischen Passanten, Blaulicht, Notarztwagen und Polizisten entdeckt er Frau Brendau, eine ehemalige Klientin aus der Gemeinschaftspraxis, die vor zwei bis drei Jahren einmal bei ihm gewesen war.

Es stellt sich heraus, dass bei dem Unfall Lasse, der Sohn der Familie Brendau, verletzt wird und Peer Brendau, Lasses Vater, nicht unschuldig daran ist. Der Zwischenfall scheint im Zusammenhang mit der unglücklichen Familiengeschichte der Brendaus zu steht.

Peer Brendau ist Chef eines bedeutenden lokalen Unternehmens, das sich seit mehreren Generationen in Familienbesitz befindet. Vom einfachen Holzhandel hat sich das Geschäft unter harter Hand zu einem der führenden Schiffsausrüster an der Ostseeküste entwickelt.

Stück für Stück lernt Suter die wohlhabende Familie Brendau kennen. Die Eltern haben sich mit den Jahren auseinandergelebt. Das Verhältnis des Vaters zu seinem Sohn Lasse ist besonders belastet. Wie die Spannungen in der Familie mit lange zurückliegenden Ereignissen der Familiengeschichte zusammen hängen, soll Suter aufklären. Denn Frau Brendau verspricht sich davon eine Entlastung ihres Mannes, der im Zusammenhang mit dem ungeklärten Todes seines Bruders an Schuldgefühlen leidet.

Über die Suche nach Aufklärung trifft Suter auch auf die alten Brendaus, die inzwischen zurückgezogen auf dem alten Landsitz der Familie an der Ostsee leben.

Überraschende, unerwartete Begegnungen auf dem Landsitz geben der Geschichte eine unerwartete Wendung.

Kulisse und Hintergrund

Jürgen Hargens beschreibt den Charme des Lebens in einer Kleinstadt im Norden, mit der Landschaft der Umgebung und den alten Landhäusern, dem Klima, mit viel Regen, Wind und klarer, frischer Luft.

Es geht auch um Themen des Älterwerdens: Alternative Wohnformen in einer Alten-WG und Bedrohung durch Demenz tauchen in der Geschichte auf, aber auch die im Alter nicht versiegende Lust auf Neues, neue Kontakte und unerwartete Begegnungen.

Hier und da erhält der Leser Einblick in die Arbeit und das Denken des Therapeuten und Beraters Jürgen Hargens. So gibt er erzählerisch überraschende Antworten auf die Fragen, was eigentlich vor oder nach einer Therapie-Sitzung geschieht, was in den Klienten und was im Therapeuten vor sich geht.

Und was ist das Chamäleon-Prinzip des Therapeuten Suter?

Antwort: bei vollständiger Präsenz unsichtbar bleiben. Handeln, ohne dass die Leute das Gefühl haben, von mir beeinflusst zu werden .ruhig dasitzen, alles registrieren, ohne sofort zu reagieren. Wahrnehmen, abwarten, ruhig bleiben.

Wenn Du nicht weißt, was Du tun sollst, dann tue am besten gar nichts! Das richtet am wenigsten Schaden an.

Fazit

Jürgen Hargens erzählt in Suter eine spannende, facettenreiche Geschichte. Jedes Kapitel wirft Fragen auf und weckt Neugierde auf das nächste Kapitel, die nächsten Begegnungen. Ein Lese-Spaß nicht nur für Psychos .

Heinz Graumann, Schleswig

Infos zu Jürgen Hargens:
http://www.systemagazin.de/autoren/hargens_juergen.php

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